Inhalt - Wichtige Trends

Big Data, IoT, Smartphone: Trends oder Auslaufmodelle?

Foto: Chris Isherwood/FlickR.

Die Zukunftsforschung ist uneins, welche Rolle ICT-Produkte und –Services künftig spielen werden. Ein Überblick über wichtige Thesen und Ergebnisse von Futuristen und Forschern.

„Das Internet wird verschwinden“, sagte Google-Chef Eric Schmidt. Mit dieser Aussage, die weltweit in den Medien aufgegriffen wurde, hat Schmidt für Aufsehen während des WEF 2015 gesorgt. Damit meinte er aber nicht, dass das Internet verschwinden werde, sondern, dass dieses selbstverständlich würde und gewissermassen nicht mehr bemerkt würde. Zudem glaubt er, mit dem Internet würden sich alle grossen Probleme der Welt lösen.

Demgegenüber erklärten der Soziologe Matthias Horx und der Zukunftsforscher Ulrich Reinhardt dem „Hamburger Abendblatt“: „In wenigen Jahren wird das Suchtverhalten mit den elektronischen Medien so sanktioniert sein wie das Rauchen. Man wird dann als ungebildet und charakterschwach gelten, wenn man auf sein Smartphone starrt.“ Sie sagen gar vorher, dass die Nutzung von Smartphones spürbar nachlassen werde, da die Faszination sinke und ein Umdenken stattfinde.

Aber was ist mit dem Mensch?

Beide Positionen betreffen die ICT-Branche in nicht unerheblichem Masse. Sie zeigen die Spannweite auf, in der sie sich zukünftig bewegen könnte. Daher gilt es, sich Fragen zu stellen wie:

  • Was wird wirklich kommen?
  • Wie passen diese scheinbar unterschiedlichen Positionen zusammen?
  • Was bedeutet dies für die zukünftige Entwicklung von Produkten und Lösungen, um auch in Zukunft ein gesundes, nachhaltiges Unternehmen zu sein?

Fragen über Fragen, für die im Geschäftsalltag, meist durch das Tagesgeschäft begründet, zu wenig Zeit bleibt. Aber sie sind existenziell, um das eigene Unternehmen in eine gesicherte Zukunft zu führen.

Jeder informiert sich regelmässig über die Trends in der Branche. Sei es in den einschlägigen Fachmedien, auf unterschiedlichen Events oder im direkten Dialog mit sogenannten Branchengurus. Den „Gartner Hype Cycle“ beispielsweise nimmt sicherlich jeder wahr, da die Publikation auch von vielen Medien aufgegriffen wird. Ebenso stellen weitere Analysten dem Markt regelmässig ähnliche Publikationen zur Orientierung zur Verfügung.

In all diesen Studien sind Technologien, Lösungen und Produkte aufgeführt, die idealerweise Trends bedienen sollen, um auch wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Die Technologie steht im Zentrum. Aber was ist mit dem Mensch?

Seine gesellschaftlichen Tendenzen werden den Bedarf an Technikunterstützung und somit das Marktpotenzial bestimmen. Umso bemerkenswerter ist, dass der einflussreiche deutsche Think Tank „Das Zukunftsinstitut“ im aktuellen trendupdate 2/2015 „das Comeback des Dorfes“ prognostiziert, während er vor kurzem einen Megatrend „Urbanisierung“ thematisierte. Die Zukunftsforscher sehen im Dorf sogar das Experimentierfeld für Zukunftsfragen. Es gilt hier zu beachten, dass ein funktionierendes dörfliches Leben stark geprägt ist von persönlichen Beziehungen der Menschen und weniger durch Technik.

Aber auch der Blick in die Forschungs- und Entwicklungs-Abteilungen (F&E) zeigt, dass Themen wie Big Data, Cloud, Apps oder das Internet der Dinge in der Öffentlichkeit schon nicht mehr so präsent sind. Sie sollen aktuell Umsatztreiber sein, aber was sind die Visionen der F&E-Cracks? Und welche Visionen haben sie von der Welt von morgen?

Was kann die Branche bieten?

In einer sich ändernden Welt ist es wichtig, sich immer wieder eine Art Auszeit für solche Themen zu nehmen und zu schauen: welche Trends deuten sich an? Welche Lösungen kann ich als Unternehmen dafür entwickeln? Und wie kann eine Vermarktung aussehen?

Aus diesen Überlegungen heraus geben grosse Betriebe auch Studien bei entsprechenden Institutionen in Auftrag. Exemplarisch sei hier die von der Swisscom beim Gottlieb Duttweiler Institute in Auftrag gegebene Studie „Die Zukunft der vernetzten Gesellschaft“ genannt.

In der Studie wird davon ausgegangen, dass die Grösse und die Omnipräsenz des Internets zunehmen und zu Machtverschiebungen und Konflikten führen wird. Dabei spielt die Ende 2014 publizierte Studie vier unterschiedliche Szenarien durch mit variierendem Technologieeinsatz sowie stark differierenden wirtschaftlichen Entwicklungen.

Die Autoren sehen ihre Erkenntnisse als Gedankenexperimente. Was aber, wenn Horx und Reinhardt Recht hätten und es eine Abwendung von Smartphone, Internet und Co. geben würde und die vernetzte Gesellschaft nicht mehr attraktiv ist? Was kann die Branche bieten, um auch in der „neuen“ Lebenswirklichkeit weiter erfolgreich agieren zu können?

Innovationskraft durch Kooperation

Daher sind Plattformen wichtig, in denen sich Protagonisten über diese Themen austauschen und mögliche Szenarien vordenken können. Mit eZürich, das hier exemplarisch genannt sein soll, wurde eine solche Initiative ins Leben gerufen. Sie könnte als Think Tank in Sachen Trends fungieren und der Agglomeration Zürich national wie international auch in Zukunft zum Erfolg verhelfen. So hat sich eZürich unter anderem auf die Fahnen geschrieben, eine Vision von Zürich als Europas Top-ICT-Standort voranzutreiben.

Unbestritten ist, dass – gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten wie sie jetzt wieder anstehen – die Innovationskraft das stärkste Pfund ist, das ein Unternehmen in die Wagschale werfen kann und oft gewichtiger ist als der blosse Preis.

Hierzu bieten die auch die zahlreichen Fachgruppen von swissICT gute Plattformen.

Dr. Thomas Winkelmann
(Mitglied der AG Redaktion des swissICT Magazine und Teamleiter Marketing und Kommunikation bei Telecom Liechtenstein)

(Der Text erschien erstmals am 9.3.2015 im swissICT Magazin)

Trend: Definition

Trends beschreiben Veränderungen und Strömungen in der Gesellschaft, Wirtschaft oder der technologischen Entwicklung. Durch die Darstellung und Erläuterung der Rahmenbedingungen sind Aussagen über zukünftige Entwicklungen möglich. Trends können beobachtet werden. Sie lassen sich aber nur schwer messen.

Die Trendforschung widmet sich der Beobachtung und Vorhersage solcher Entwicklungen, also gesellschaftlichen Wandlungsprozessen. Der Zukunftsforscher John Naisbitt hat zudem den Begriff „Megatrend“ geprägt. Dies sind ausserordentlich tiefgreifende und nachhaltige Trends, die gesellschaftliche und technologische Veränderungen kennzeichnen.