Inhalt - Schulfach Informatik

Ideen für den Informatik-Unterricht

Didaktisch ist wichtig, dass jeder Schüler sehr schnell ein Resultat erzielt und dass individuelle Resultate möglich sind (Foto: Colourbox).

Der Lehrplan 21 integriert erstmals richtigen Informatikunterricht. Rechtzeitig zur Einführung publiziert swissICT passende Unterrichtseinheiten.

In diesen Tagen führen erste Kantone den „Lehrplan 21“ ein, den ersten gemeinsamen Lehrplan für die Volksschule in 21 deutsch- und mehrsprachigen Kantonen. Er soll erstmals „richtige“ Informatik – nicht Word und Facebook – in der Volksschule lehren. swissICT-Präsident Thomas Flatt freut sich: „Das wird viel mehr Junge für die ICT begeistern oder sie zumindest mit den notwendigen Grundkenntnissen aus der Schule entlassen!

Der neue Informatik-Unterricht ist ebenso wie andere Neuerungen nicht bereits auf Tag 1 umzusetzen, weiss z.B. der Kanton Bern: „Die Einführung des Lehrplans 21 ist ein mehrjähriger Prozess der Schul- und Unterrichtsentwicklung.“ Nicht ausreichend vorhanden ist aktuelles und bewährtes Lehrmaterial. Diese Lücke will swissICT schliessen helfen und mit Unterrichtsideen die sorgfältige Einführung von Informatik in der Schulpraxis unterstützen.

Logische Operatoren und Algorithmen kennenlernen

Gemeinsam mit dem auf Lehrmaterial spezialisierten Partner „kiknet“ bietet swissICT kostenlose Informatik-Unterrichtseinheiten für die Sek 1, die von Lehrpersonen konzipiert wurden und im Einklang mit den Lehrplanzielen stehen. Die Lektionen vermitteln geforderte Kompetenzen wie logische Operatoren, Algorithmen und die Formulierung von Lösungswegen. Als Programmierumgebung wurde aus einer relativ grossen Anzahl von Optionen „Scratch“ gewählt, die auf Informatik spezialisierte Didaktiker als geeignet für Schweizer Schulen halten. Die Umgebung ist international erprobt, erfreut sich in der Schweiz wachsender Beliebtheit und wird auch an Universitäten zur Einführung von Nicht-Informatikern in die Programmierung verwendet (bspw. Universität Berkeley).

Speziell für den Erstkontakt mit Informatik eignet sich „Scratch“, weil es nicht nur textliche, sondern grafische Programmierung einsetzt (vermeidet Syntaxprobleme) und für intuitives Lernen entwickelt wurde. Es „offen und ermöglicht neben dem rein analytischen auch weitere Zugänge zur Programmierung, bleibt dabei objektorientiert, ereignisorientiert und führt ‚Parallele Programmierung‘ ein“ (Wikipedia).

Erfolgserlebnisse ermöglichen

„Didaktisch ist wichtig, dass jeder Schüler sehr schnell ein Resultat erzielt und dass individuelle Resultate möglich sind. Ein geschickter Schüler kann etwas Ausgefeiltes entwickeln, aber auch ein eher haptisch Begabter hat ein Erfolgserlebnis“, erklärt Reto Braun, Projektverantwortlicher bei kiknet.

„Wir wollen beim Erstkontakt für „richtige Informatik“ begeistern und so erreicht man das Optimum“, sagt Braun. „Anschliessend kann man den Unterricht schrittweise weiterentwickeln, denn manche Schüler wollen sofort wissen, was steckt noch dahinter?“

„Scratch“ erlaubt die einfache Einbindung von Sensoren und Aktoren (Makey Makey, PicoBoard oder Lego WeDo Roboter) für attraktive interdisziplinäre Projekte und man könnte entsprechend einen grossen Bestandteil einer Projektwoche bestreiten, glaubt der ausgebildete Lehrer Braun.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Im Vordergrund stehen aber fünf Lektionen für alle Sek 1-Stufen, die Nutzung in „Natur und Technik“, in Mathematik oder gar im „Zeichnen mit dem Computer“ wäre denkbar. Entsprechend ist kein spezielles Vorwissen für eine spannende methodische Umsetzung nötig und die Lektionen wurden gemäss der kiknet-Philosophie „in einer Weise erarbeitet, dass die Lehrpersonen mit gutem Gewissen und ohne Angst vor versteckten Werbebotschaften die Arbeitsblätter im Unterricht einsetzen können.“

Auf eine implizite Werbebotschaft hofft swissICT: Informatik ist spannend und bietet viel mehr, als das verbreitete Clichée des skurrilen „Nerds“.

23‘000 registrierte Lehrer werden nun über das neue Gratis-Angebot informiert, bei der Weiterentwicklung sind nun auch die pädagogischen Hochschulen gefragt.

Ob, wann und wie genau alle Kantone den Lehrplan 21 umsetzen, ist ihnen überlassen, doch swissICT-Präsident Flatt stellt klar: „Ich bin überzeugt, dass die Basiskenntnisse und die Prinzipien der Informatik künftig Teil eines jeden Hochschul-Curriculums sein müssen. Oder als etwas salopp formulierter Slogan für die Volksschule: Nicht nur Arithmetik sondern auch Algorithmik gehört in den Rucksack des Allgemeinwissens.“

Der Text erschien erstmals im swissICT Magazin 9/2015

Marcel Gamma ist Kommunikationsleiter swissICT, Leiter dieses Projekts und nebenamtlicher Dozent an der Pädagogischen Hochschule der FH Nordwestschweiz.